E XCELLENC E
D ie H undegeburt
N ormaler Ablauf der Geburt: G egen Ende der Trächtigkeit kündigt sich die bevorstehende Geburt an: * das Gesäuge wird größer * beginnende Milchsekretion * die Vulva schwillt an * leichter Vaginalausfluß, der sich aus der Verflüssigung des Zervikalschleims ergibt * die Beckenbänder werden weicher D ie unmittelbar bevorstehende Geburt lässt sich jedoch am allerbesten durch regelmäßige Temperaturkontrolle (Messung im After) erkennen. Schon 8 - 10 Tage vor der Geburt sinkt die Körpertemperatur auf 38°, und etwa 12 - 24 Stunden direkt vor der Geburt kommt es zu einem auffälligen weiteren Abfall um 1° oder mehr. Mit Beginn der Öffnungsphase steigt die Temperatur wieder an. Öffnungsphase: D iese Phase dauert 6 - 12 Stunden; die Hündinnen werden durch ein verändertes Verhalten auffällig wie z.B. Unruhe, Ängstlichkeit, Futterverweigerung, Aufsuchen eines ruhigen Platzes, Nestbau, manchmal Erbrechen, Durchfall... Die innerlichen Veränderungen sind nicht erkennbar, doch unabdingbar für einen reibungslosen Geburtsablauf: * Dilatation der Zervix * Ausfluß von Zervikalschleim * Einsetzen der Wehen * Weitung des Geburtskanals durch die Fruchtblase des ersten Welpen Austreibungsphase: R utscht der Welpe in den Zervixkanal, setzt automatisch die Bauchpresse ein. Der kleine Welpe ist umhüllt von zwei Fruchtblasen Allantois und Amnion. Die Flüssigkeit dieser Blasen ist farblos. Nachdem jedoch die erste Nachgeburt ausgestoßen ist, werden die Fruchtwasser eher grünlich; hervorgerufen durch die Blutabbaustoffe. Die Allantois reißt in der Regel, sobald der Welpe durch die Vulva austritt, ausgestoßen wird der Kleine dann mit einigen kräftigen Wehen. Normalerweise beißt die Hündin mit den Schneidezähnen die Fruchtblase auf, leckt den Welpen frei und beißt die Nabelschnur durch. Sollte das nicht geschehen, muß der Welpe sofort aus der Fruchtblase befreit werden. Die Nachgeburt kommt in den nächsten 5 Minuten und wird von der Hündin gefressen. Manchmal kommen aber auch gleich zwei, drei Welpen direkt hintereinander und dann erst die Nachgeburten. Die Intervalle zwischen den einzelnen Welpen betragen im allgemeinen 30 min, aber auch mehrere Stunden. Etwa 60 % der Welpen kommen mit dem Kopf zuerst, doch auch eine Hinterendlage kann komplikationslos erfolgen. Trächtigskeitdauer: D urchschnittlich trägt die Hündin 63 Tage. Bei ungestörtem Allgemeinbefinden besteht bei längerer Tragzeit bis zum 69. Tag keine Notwendigkeit für einen Eingriff. CAVE: beim Hund besteht nicht die Möglichkeit zur Geburtseinleitung wie beim Menschen. Die Verabreichung von Oxytocin bei einer nicht in Geburt stehenden Hündin ist ein Kunstfehler! Die Kontrolle der Körpertemperatur ist ein guter Indikator, steigt die Temperatur über 39° oder ist der Allgemeinzustand gestört, so ist eine ausführliche geburtshilfliche Untersuchung angezeigt. Unsere diagnostischen Möglichkeiten ( Ultraschall / Röntgen ) sind dazu heutzutage hervorragend. Oft ist ein Kaiserschnitt vonnöten. Unter Antibiotikaschutz abzuwarten, verbessert nicht die Aussichten auf eine komplikationsfreie Geburt, sondern erhöht eher das Operationsrisiko. Geburtskomplikationen (Dystokien): N icht jede Geburt verläuft reibungslos, es können Störungen im Ablauf auftreten , die durch Funktionsstörungen seitens der Mutter (Wehenschwäche, Scheidenenge, Torsio uteri, Uterusruptur (nicht selten nach fehlerhaft verabreichter Oxytoxingabe!) ...oder durch die Welpen selbst (zu große Frucht, fehlerhafte Lagerung, abgestorbene Frucht...) verursacht sind. Die Wahl der tierärztlichen Maßnahmen richtet sich nach dem Zustand des Muttertieres. Es kann manuelle Geburtshilfe geleistet werden, doch ist das Allgemeinbefinden bereits gestört, bzw. eine schnelle Lösung durch manuelle Hilfe nicht zu erreichen, so ist auf jeden Fall eine Schnitteinbindung durchzuführen. Die Sectio caesarea (Kaiserschnitt) kann lebensrettend sein für Hündin und Welpen. Normales Puerperium: B ei der normal verlaufenden Geburt zieht sich nach der Austreibung des letzten Welpen und dem Abgang der Nachgeburt der Uterus wieder zusammen. Palpiert man den Bauch der Hündin, so sind die Uterushörner als derbe Stränge spürbar. Der normale Ausfluß ( Lochien ) ist zunächst schwarz grün, geruchlos und mit Blutgerinnseln durchsetzt. Der Uterus bildet sich in den Tagen nach der Geburt immer weiter zurück, der Ausfluß nimmt mengenmäßig ab und nach 2 Wochen wird nur noch sehr wenig, leicht rötliches Sekret abgesetzt. Die Lochien werden kaum bemerkt, da sie von der Hündin stets aufleckt werden. Nach 4 Wochen hat sich der Uterus vollständig zurückgebildet. W eiterhin ist die Hündin auch noch post partum gut zu beobachten, da auch dann noch Schwierigkeiten auftreten können, die das Leben von Muttertier und Welpen gefährden: * Uterusruptur * Scheidenverletzung (nicht erkannt, kann sie durch eine eitrige Entzündung zum Durchbruch zum Darm hin führen) * Lochiometra (zieht die Gebärmutter sich nach der Geburt nicht ausreichend zusammen, verleiben die Lochien im Uterus und es kann zu einer lebensgefährliche Intoxikation der Hündin kommen. Da die Toxine in die Milch übergehen, sind auch die Welpen bedroht.) * Plazentanekrose (bei Hündinnen, die jünger als 2,5 Jahre sind: auffällig ist das Persistieren eines blutig, wässrigen Scheidenausflusses - es muß eine Ovariohysterektomie durchgeführt werden) * Hämorrhagie (anhaltender, blutiger Ausfluß: schubweiser Abgang von frischem, teilweise geronnenem Blut aus der Scheide - in der Regel muß operiert werden) * Tetanie = Eklampsie (eine Stoffwechselstörung, deren Hauptmerkmal die Hypokalzämie ist, die zu starken Krämpfen führt. Sie tritt meist 2-5 Wochen nach der Geburt auf und betroffen sind hauptsächlich kleine Rassen mit guter Laktation - lebensrettend ist die sofortige intravenöse Verabreichung von Calzium) I n der Bildergalerie sehen Sie exklusive Geburtsfotos von unseren Welpen wie sie in keinem Buch zu finden sind. Aus diesem Grund haben wir die Bildergalerie passwortgeschützt. Fragen Sie uns einfach nach dem Passwort, denn auch die Geburt ist eine Faszination!! Geburt und die erste Lebenswoche J unge Hunde werden taub und blind geboren. Sie können ihre Körpertemperatur nicht selbst halten. Urinieren und Koten können sie nur, wenn die Mutter ihre Bäuche leckt. Daher ist die Nähe, Wärme und Geborgenheit der Hündin jetzt das Wichtigste. Die Welpen schlafen etwa 90 Prozent der Zeit. Am 7. Tag beginnen die ersten Welpen umherzukrabbeln. 11. Tag A ugen und Ohren beginnen sich zu öffnen. Spätestens nach 3 Tagen sind Augen und Ohren ganz offen. 18. Tag D ie Welpen werden ihre Ausscheidungen nun ohne Hilfe der Hündin los. Solange die Welpen nur Muttermilch bekommen, hält die Mutterhündin die Kleinen und das Nest sauber. 3. Woche B eginn der Sozialisierungsphase. Die Welpen fangen an, miteinander zu spielen und die Welt innerhalb der Wurfkiste zu erkunden. 4. Woche D ie kleinen Hunde spielen mit Gegenständen, tragen sie herum, knabbern sie an. Die Wurfkiste ist fast nur noch zum Schlafen da. Meist Beginn des Zufütterns. Von nun an kümmert sich die Hündin nicht mehr um die Sauberkeit der Welpen. 5. Woche D ie Hündin fängt mit der Erziehung an. Treibt es ein Welpe beim Spiel "zu doll", folgt die Zurechtweisung der Mutter blitzschnell. Knurren und ein Biss in die Schnauze des Welpen, bis er sich unterwirft. Dann lässt sie los, und das Spiel kann weitergehen. Diese Erziehung ist sehr wichtig in der Entwicklung eines Welpen, denn nur so lernt er frühzeitig Grenzen kennen. Verlässt der Welpe später seine Mutter, muss der Mensch hier anknüpfen. 6. Woche S pielerisch bildet sich die erste Rudel-Hierarchie unter den Geschwistern. Sozialverhalten und Rollen werden ausprobiert. Jetzt lernt der Hund, wie man sich anderen Artgenossen gegenüber zu verhalten hat. 8. Woche D ie meisten Welpen werden in diesem Alter an ihre neuen Besitzer abgegeben. Doch dies ist eine besonders empfindliche Entwicklungsphase. Denn die jungen Hunde lernen jetzt, Angst zu haben. Die Ängste, die ein Welpe nun kennen lernt, ohne sie zu verkraften, werden ihn ein Leben lang begleiten. Besser ist es, wenn der kleine Hund noch ein wenig länger in seiner gewohnten Umgebung bleiben darf. Schon eine Woche später ist er stabiler und kommt mit neuen Erfahrungen besser klar. 12. Woche M it 10 bis 12 Wochen ist ein guter Zeitpunkt, um ein neues Leben in der neuen Familie anzufangen. Der Welpe ist jetzt stabil, die Sozialisierungsphase ist in der 12. Woche abgeschlossen. Regeln kann der Kleine jetzt schon verstehen, wenn sie ihm deutlich gemacht werden. Der Hund ist jetzt kein Baby mehr, sondern entspricht im Entwicklungszustand in etwa einem Kleinkind. Erziehung durch den Menschen muss hier unbedingt mit Konsequenz und Liebe ansetzen. Nicht immer leicht bei einem so niedlichen Welpengesicht, aber wirklich wichtig! 16. Woche D ie Milchzähne fallen aus, das neue Gebiss wächst nach. Der junge Hund knabbert alles an, was er zu beißen kriegt. Abhilfe schaffen Büffelhautknochen. Sie helfen dem Welpen und Ihren Möbeln. Der Welpe stellt den Menschen vor die ersten Machtproben und testet, wie ernst ein "Nein" wirklich gemeint ist. Strafen Sie schnell, gerecht und seien Sie niemals nachtragend. Genauso kennt der kleine Hund das schon von seiner Mutter und versteht diese Art der Strafe am besten. Grundsätzlich sollte der Welpe aber jetzt viel Spaß mit Ihnen haben, Erziehung sollte spielerisch geschehen, mit viel Lob und Streicheleinheiten. Denn die Lust am Leben, die Sie ihm jetzt gönnen, wird ihn dann sein ganzes Leben lang begleiten. 7 bis 8 Monate D er Welpe kommt in die "Pubertät" und testet alle Regeln auf Gültigkeit. Diese Zeit können Sie gut dazu nutzen, ihre eigene Konsequenz zu festigen, denn sonst sind Sie verloren. Wenn Sie aber weiterhin an den aufgestellten Grenzen festhalten, wird sich der junge Hund einfügen und seinen Platz im "Rudel" finden.
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